Monate: Oktober 2016

Literaturstadt Oslo – Lesereise Teil 4

Meine vierte und letzte Woche in Oslo hatte es in sich. Ich habe mich an Norwegens schwerste Zeiten in der jüngeren Geschichte herangewagt und an Orten Geschriebenes entdeckt, an denen ich so nicht damit gerechnet habe… (Das Ende dieses Artikels muntert dann wieder etwas auf, mit Literatur über Orte, über die nicht so oft Bücher geschrieben werden…) 1. Das norwegische Widerstandmuseum Hjemmefrontmuseet heißt es im Norwegischen. Das Widerstandsmuseum innerhalb der Akerhus-Festung erzählt anhand vieler Tonaufnahmen, Originalgegenstände und detailgetreu nachgebildeten Miniaturschauplätzen die fünf Jahre der deutschen Besatzung nach. Ich brauche zwei Tage, um mich durch die Ausstellung zu lesen, zu hören und zu schauen. Neben der beeindruckenden Anzahl an Widerstandszeitungen ist es vor allem ein durchlöchertes Blatt Toilettenpapier, dass mich sehr nachdenklich stimmt. Es hängt neben dem Nachbau einer Gefändniszelle in der Møllergata. Petter Moen, der Herausgeber der größten illegalen Zeitung „Nytt London“, hat mit einer Nadel Buchstaben darein gestochen und die gestochenen Blätter im Lüftungsschacht versteckt. Auf diese Weise dokumentierte er 210 Tage seiner Gefangenschaft. nachdem die Gestapo ihn gefasst hatte. Er kam bei der …

Literaturstadt Oslo – Lesereise Teil 3

Meine dritte Woche in Oslo hat mich gedanklich weit in die Zukunft katapultiert und mich auf der anderen Seite mit einer Vergangenheit konfrontiert, über die ich viel zu wenig weiß und die uns allen hier und heute angesichts vieler grausamer Kriege auf der ganzen Welt ein Mahnmal sein muss. Lest selbst: 1. The Future Library – Framtidsbiblioteket in Oslo Am Tag nach der Verkündung des Literaturnobelpreisträgers erreichte mich eine viel spannendere Nachricht: Der isländische Schriftsteller Sjón wird der diesjährige Autor sein, der ein Werk zur einhundertjährigen Bibliothek der Zukunft hinzufügt. Hva?!? Genau, in Oslo wächst gerade ein ganz besonderes Kunstwerk heran: Einhundert Jahre lang – von 2014 bis 2114 – wird Jahr für Jahr ein(e Schriftsteller/in eingeladen, ein unveröffentlichtes Manuskript einzureichen, das gemeinsam mit allen anderen einhundert Manuskripten bis 2114 unter Verschluss gehalten wird – und zwar in einem speziellen Raum der Deichmanske Hovedbibliotek, die zurzeit neben der Osloer Oper gebaut wird. Erst im Jahr 2114 werden alle 100 Manuskripte erstmalig veröffentlicht – nicht einmal die Initiatorin des Projektes liest sie zu ihren Lebzeiten! Die …

Literaturstadt Oslo – Lesereise Teil 2

Hier kommt mit etwas Verspätung mein Wochenrückblick Nr. 2 auf mein literarisches Oslo. Was soll ich sagen: Oslo hat mich lieb. Die Sonne lächelte die ganze Woche lang, bis auf heute am Sonntag. Für solche Sonntage wurde zum Glück das Buch erfunden! 🙂 1. Deichmanske bibliotek in Gründerløkka Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich die folkebibliotek meines Viertels. Ich bin überrascht, dass sie auch sonntags geöffnet hat, immerhin von 12 bis 16 Uhr. Das Büchereiwesen in Norwegen ist sowieso einzigartig: JedeR mit einer Meldeadresse in Norwegen hat Anspruch auf eine kostenlose nationale Ausleihkarte, die in 2.500 Biblioteheken im ganzen Land gültig ist! Ich habe den regnerischen Sonntagnachmitag hier verbracht, gemeinsam mit vielen anderen, die in Ruhe Zeitung gelesen, ein gutes Buch aus dem Regal gegriffen oder einen der vielen Rechner mit kostenlosem Internetzugang genutzt haben. Die Bedeutung dieser Institution, über die ich vor kurzem auf norwegisch gebloggt habe, ist mir wieder einmal sehr bewusst geworden! Volksbibliotheken bieten schlichtweg einen niedrigschwelligen Zugang zu allem, was eine Kultur ausmacht. Sie sind als physisch existente Räume …

Anmeldelse: „Og hver morgen våkner jeg“ av Marita Hansen

Om å finne en ny normal Jeg er en tysk kvinne i førti-årene som trenger litt pusterom. Derfor er jeg her i Oslo, i fire uker, jeg har behov for fred i sinnet, for å bli flinkere i norsk, for å lese så mye og så lenge jeg vil – av og til døgnet rundt på forskjellige pene steder ute i byen. Som i går, da tok det meg fem timer for å lese hele boka „Og hver morgen våkner jeg“ av Marita Hansen – uten pause. Marita har heller ikke hatt noen pause siden Vidars død. Kjæresten hennes falt om og døde i armene hennes da begge to gikk på ski, uventet, etter 231 lykkelige dager. Ulykken skjedde for to og ett halv år siden. For å klare seg har Marita Hansen skrivet denne boka. Nå er Maritas (og Vidars!) historie ute, i rett tid til bokhøsten. Et stykke virkelighetslitteratur. Litteratur, selvfølgelig! Man kan kalle det en roman. Teksten er fint vevd, full av poesi. Språket er fortettet, forfatteren har arbeidet med teksten og …

Anmeldelse: „Endelig skal vi le“ av Birgit Alm

Midt i velstandslitteraturen som „Elskere“ av Mattis Øybø eller „Arv og miljø“ av Vigdis Hjorth har det dukket opp romanen „Endelig skal vi le“ av Birgit Alm som bryter med et annet  (ikke bare norsk) tabu: Hovedpersonen er fattig. Kan man lære seg å bli mett av lukt? Elinor, gjennom hennes øyne ser leseren verden, er en midt-tjue-årig alenemor, arbeidsledig og student via NAV-systemet. Hun lever med sin seks-årige sønn Ungen i vår midte i Oslo og anstrenger seg kraftig for å bli usynlig. Hun prøver å skjule fattigdommen sin for hele verden, ikke bare for naboene på Nordstrand men endog for sønnen sin. Men det er alltid det egne barnet som ei mor ikke kan ikke narre, selv om det lyktes henne å få ham inn på Steinerskolen gjennom en friplass-ordning På en smertefull presis måte beskriver Birgit Alm de små situasjionene når Elinor og gutten hennes opplever begrensningene fordi hun har dårlig råd: ikke noen egne seng (for ikke å snakke om et eget rom), ikke noen termokanne på tur med klassen og …