Regine Normann Reiseberichte

Neues Gedenkschild für Regine Normann auf den Vesterålen

Am Montag, den 23. Juli 2018, um 11 Uhr war es soweit: Das zweite Gedenkschild für die Schriftstellerin Regine Normann – finanziert durch die großzügige Unterstützung von 57 SpenderInnen auf bidra.no – wurde in Mårsund enthüllt. Und dieses Mal überließ Sture Pedersen, der Bürgermeister in der Gemeinde Bø auf den Vesterålen, mir diese Ehre, nachdem er ja das blaue Schild in Oslo enthüllen durfte.

Die Gemeinde Bø hat einen sehr schönen Platz für die Gedenktafel gefunden: auf einem kleinen Rastplatz mit freiem Blick auf das weitläufige Gelände Mårsund, wo sich vor 150 Jahren ein großer Gutshof befand – der Geburtsort von Regine Normann. Die alten Gebäude stehen nicht mehr, doch die Gedenktafel zeigt alte Aufnahmen und stellt auf Norwegisch, Englisch und Deutsch die historischen Bezüge her.

Die deutsche Übersetzung für das Schild durfte ich beisteuern, sie lautet:

Willkommen in Mårsund,
dem Geburtsort der Schriftstellerin Regine Normann

Serine Regine Normann wurde am 29. Juli 1867 auf dem Hof Mårsund in Bø auf den Vesterålen geboren. Als sie fünf Jahre alt war, starb ihr Vater, woraufhin sie und ihr Bruder Kristoffer zu Pflegeeltern gegeben wurden. Im Alter von elf Jahren kam Regine hierher zurück und lebte nun bei ihrem Onkel. Sie verließ Mårsund zum zweiten Mal kurz nach ihrer Konfirmation, um als Kindermädchen beim Gemeindepfarrer von Bø zu arbeiten. Regine verlebte nur eine kurze glückliche Kindheit in Mårsund, damals ein großer Gutshof in Bø. Die Natur ringsherum, das trubelige Alltagsleben und die sagenumwobenen Geschichten, die sie hier zu hören bekam, wurden zu einer wichtigen Grundlage ihres schriftstellerischen Werkes.

Im Süden und Südosten standen die Berge der Lofoten, kalt und fern. Doch sobald die Sonne ihren Glanz über die blauschimmernden Spitzen und tiefen Scharten ausbreitete und den Schnee vergoldete, war es, als ob sie schwimmend auf dem Wasser lagen. Richtung Osten war der Fjord nicht ganz so breit, hier teilte ihn die schöne waldbedeckte Hadseløya. Nach Norden hin verzweigte er sich in viele Arme, die sich zwischen bewaldete Hänge und Felsen drängten, mit unzähligen Mündungen und Buchten und all den kleinen Inselchen, Holmen und Schären in Ufernähe und weit draußen. Zitat aus Regine Normans Roman Dengang (1912).

Als Serine Regine geboren wurde, bestand der Hof Mårsund aus zwei ungefähr gleich großen Anwesen, die später in viele kleine Einheiten zergliedert wurden. Zudem hatten einige Pachtbauern ihre Katen auf dem Anwesen. Insgesamt waren es rund zwanzig Gebäude, zwischen denen die Kinder herumspringen konnten. Neben dem Bauernhaus stand das Lagerhaus mit dem Glockenturm, es gab einen Kramladen, Bootshäuser, Waschhaus und Backstube, Vieh- und Pferdeställe, Torfschuppen, Speicher und Fanghütten. Im Obergeschoss über dem Geschäft befand sich der Versammlungsraum, in dem das Amtsgericht tagte und andere wichtige Zusammenkünfte stattfanden. Doch am aufregendsten war für die Kinder die besondere Atmosphäre im Kramladen mit seinem Tresen, den Schubläden und Regalen. Hier trafen sie sich, die alten Männer mit viel Zeit für ein Schwätzchen und die Kinder, die mit Glück eine Zwetschke ergatterten. Ein Eldorado für neugierige Kinderohren – und Naschmäuler. Hier hielten die Bediensteten die Erzählkunst lebendig – ihre Worte beschworen Gestalten und Bilder herauf und zogen die Zuhörer in ihren Bann, dass sie die Arbeit auf dem Hof und im Stall vergaßen. Hier gab es alle Facetten des Fischerlebens, den Reichtum des Meeres und eine einzigartige Küstenlandschaft. Zitat aus Liv Helene Willumsens Buch Havmannens datter. Regine Normann – et livsløp (1997).

Schildeigentümer: Gemeinde Bø. Das Projekt wurde initiiert von Dörte Giebel und durch ihre private Spendenaktion sowie die Gemeinde Bø finanziert.

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Julie Willumsen singt

Die feierliche Enthüllung fand im Rahmen des Festivals Reginedagan statt und ich hab es genossen, zum zweiten Mal dabei zu sein. Die Sängerin Julie Willumsen, selbst in Bø aufgewachsen und 2010 aus Oslo wieder hierher zurück gezogen, erwies Regine Normann die Ehre mit einem wunderschönen Song.

Im Anschluss erläuterte Julie Sæther, Leiterin des Nord Museums in Bø und Vorstandsmitglied der Regine Normann Stiftung, einige historische Hintegründe und führte uns zu der nahe gelegenen Schutzhütte am Ufer.

Übrigens würdigte das Wetter auf ganz eigene Art und Weise die Schildenthüllung. Nur für diese kurze Zeit zog ein stürmischer Regen über Mårsund hinweg, davor und danach strahlte wieder die Sonne. 🙂

Autor

Hei hei, ich bin Dörte aus Hamburg. Seit ich als Jugendliche "Flucht in den Norden" von Klaus Mann gelesen habe, zieht es mich til Norge - jetzt endlich, mit Mitte 40, verbringe immer mehr Zeit im Jahr dort, am liebsten nördlich vom Polarkreis. Als Minimalistin reise ich gern mit leichtem Gepäck, am liebsten nach dem Prinzip des Slow Travel - und in 2016 möchte ich endlich das Wwoofing ausprobieren. Und Du? Ich freue mich auf einen Kommentar von Dir! Ha det bra!

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