Reiseberichte

Gartenkultur in Tromsø und Urban Gardening am 69. Breitengrad

En flere hundre år gammel hagetradisjon i et barsk klima – og samtidig høyaktuell.

Nur in drei Monaten im Jahr liegt die Durchschnittstemperatur in Tromsø über 10 Grad Celsius. Was soll denn da gedeihen? So einiges! Man muss im Garten halt ein bisschen nachhelfen, wie es beispielsweise Charlotte tut. Sie lässt im Mai den halben Meter Schnee nicht einfach liegen, sondern sorgt für freie Flächen, um Frühbeete zu bepflanzen. Nach jahrelangem Experimentieren weiß sie, in welchem Winkel gesäht und gesetzt der kalte Wind gnädig mit den zarten Pflänzlein umgeht.

Und Charlotte ist nicht allein. In der Facebook-Gruppe „Hage i Tromsø“ tauschen sind über 900 Mitglieder über ihre Erfolge und Misserfolge beim Gärtnern am 69. Breitengrad aus. Hier werden untereinander nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch Setzlinge und Ableger weitergegeben, Fotos von Prachtexemplaren – ob Rosen oder Brokkoli – gebührend bewundert.

hager-mot-nordIn welcher Tradition die heutigen KleingärtnerInnen in Nordnorwegen stehen, erfahren historisch Interessierte aus einem ganz besonderen Buch, welches die 300-jährige Geschichte des Gärtnerns in Nordnorwegen beleuchtet: „Hagen mot Nord“, 2015 herausgegeben von drei WissenschaftlerInnen der Universitetet i Tromsø:

„Samlet gir artiklene et mangfoldig bilde av hagekunsten i den nordlige delen av landet og den menneskelige skaperkraften som utløses når internasjonale perspektiver møter lokale tradisjoner og naturvilkår. Her er fortellinger og bilder fra en lang rekke steder.“ (Orkano Akademisk Forlag)

dyrktromso.no
dyrktromso.no

Ein ganz besonderes Projekt aktueller urbaner Gartenkultur ist „Dyrk Tromsø“. Mitten in der Stadt haben Ingvill Fossheim und Berit Steenstrup im vergangenen Jahr (2015) ein kleines Areal – Rambergan & St. Hanshaugen – zum Community Garden erklärt und mit viel Engagement, Unterstützung der Stadt und helfenden Händen der StadtbewohnerInnen in 40 Pflanzkästen Gemüse, Beeren und Kräuter angebaut:

„Hagene føyer seg inn i en stor bevegelse av lignende prosjekter som eksisterer i byer over hele verden. Dette er urban agriculture med en nordnorsk vri.“ (dyrktromso.no)

Auf dem Gelände Rambergan & St. Hanshaugen soll, so sieht die Stadptlanung es vor, eine Parkanlage entstehen. Dieses Urban-Gardening-Projekt ist also eigentlich eine temporäre Angelegenheit – oder etwa doch nicht? Dieses Jahr ging es bereits in die zweite Saison, und auf der Projekt-Website sind aktuelle Bider zu sehen. (Weiß jemand, wie es nächstes Jahr weitergeht? Ich schreib denen mal ne E-Mail und berichte hier, wenn ich eine Antwort habe. 😉 )

Was die Natur 344 Kilometer nördlich des Polarkreises sonst noch hervorzubringen vermag, lässt sich natürlich bei einem Spaziergang im Arktisch-Alpinen Botanischen Garten Tromsø bewundern. Das Areal ist jederzeit zugänglich, ohne Zaun und Tor, und wirklich weitläufig  – und bietet obendrein einen wunderbaren Blick auf die Tromsø umgebenden Berge.

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Ich war genau vor einem Jahr – im August 2015 – dort und hab Euch ein paar Blüten-Bilder mitgebracht.

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Blauer Scheinmohn (Meconopsis ’Lingholm’) aus dem Himalaya – der ist fast schon so was wie das Aushängeschild des Botanischen Gartens in Tromsø.
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Gentiana hexaphylla – ein Enzian …
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… und noch ein Enzian.

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Autor

Hei hei, ich bin Dörte aus Hamburg. Seit ich als Jugendliche "Flucht in den Norden" von Klaus Mann gelesen habe, zieht es mich til Norge - jetzt endlich, mit Mitte 40, verbringe immer mehr Zeit im Jahr dort, am liebsten nördlich vom Polarkreis. Als Minimalistin reise ich gern mit leichtem Gepäck, am liebsten nach dem Prinzip des Slow Travel - und in 2016 möchte ich endlich das Wwoofing ausprobieren. Und Du? Ich freue mich auf einen Kommentar von Dir! Ha det bra!

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