Norwegisch lernen Reiseberichte

Norwegisch lernen – aber wie?

Seit einem Jahr lerne ich jetzt schon Norwegisch und habe in dieser Zeit bereits 4 verschiedene Unterrichtsformen in Kombination mit 3 unterschiedlichen Lehrbüchern ausprobiert: Autodidaktisch, im VHS-Kurs,  im Einzelunterricht, auf einer Sprachreise. Die Zeit ist also reif für ein Resümee und eine Pro-und-Contra-Liste in Bezug auf mein Norwegisch lernen – vielleicht erleichtert Dir das die Entscheidung (und ein paar Umwege), wie Du es angehen möchtest, Norwegisch zu lernen.

1. Autodidaktisch

Autodidaktisches Lernen eignet sich für alle, denen es leicht fällt, Fremdsprachen zu lernen, hervorragend für den Einstieg (so kannst Du locker den VHS-Anfängerkurs überspringen) und später für die Phasen zwischen Sprachreisen, um das dort Gelernte zu festigen und um bis zum nächsten Mal „drin“ zu bleiben.

Die norwegische Grammatik ist nicht soooo kompliziert und mit einem speziell fürs Selbststudium aufbereiteten Lehrbuch inkl. CD sowie einem Wörterbuch kanns Du locker die ersten Lektionen schaffen – läufst dann aber Gefahr, bei fehlender Regelmäßigkeit nach längeren Pausen immer wieder am gleichen Punkt einsteigen zu müssen.

Vorteile: Völlig selbstbestimmtes Lernen im eigenen Tempo

Nachteile: Erfordert ein hohes Maß an Selbstdiszsiplin, außerdem kommen Hören und Sprechen schnell zu kurz, so dass – wenn Du nicht gegensteuerst – zwar Dein schriftliches Sprachverständnis wächst, die gesprochene Sprache jedoch schnell auf der Strecke bleibt. Ich kenne welche, die es autodidaktisch geschafft haben, Nesbø-Krimis im Original zu lesen, aber keine zwei Sätze flott und fehlerfrei rauszubringen…

langenscheidt-norwegisch-mit-systemLehrmittel: Meine Wahl fiel auf: Langenscheidt Praktischer Sprachlehrgang Norwegisch – Buch und 3 Audio-CDs + Begleitheft: Der Standardkurs für Selbstlerner – An den CD gefällt mir, dass die Texte in zwei Geschwindigkeiten gesprochen werden. Das Buch schreitet recht flott voran, so dass es tatsächlich bis zum Sprachniveau B1 führt.

Kosten: Variabel = genau so viel wie Du für Lehrmaterialien ausgeben möchtest.

Mein Tipp: Versuch von Anfang an einen festen Lernrhythmus einzuhalten und mehrere kürzere Lerneinheiten über die Woche zu verteilen. Und nutz von Anfang an auch die kostenfreien Möglichkeiten im Netz. Auf YouTube findest Du zum Beispiel viele Filme auf Norwegisch, und die Seite klartale.no (Norwegens einzige Zeitung in einfachem Norwegisch, für Menschen mit verschiedenen Leseschwierigkeiten ) kannst Du Dir sogar vorlesen lassen.

2. VHS-Kurs

vhs-hamburg-logoEines vorweg: Ich bin ein großer Fan der Volkshochschulen und habe in meinem Leben schon sehr vieles dort gelernt – von Qi Gong über Buchbinden bis hin zu Filmentwicklung im Fotolabor. Auch mit Sprachkursen an der VHS habe ich bereits Erfahrung, belegte bereits Anfängerkurse in Dänisch und Spanisch und versuchte es jetzt noch einmal mit Norwegisch. Doch das Sprachen lernen ist an der VHS nicht meins. Der Unterricht ist mir zu „verschult“. Man hangelt sich von Übung zu Übung, von Seite zu Seite, von Lektion zu Lektion, und das Lerntempo ist mir persönlich zu langsam, weil eben (und das ist ja prinzipiell auch gut so!) sehr viel Rücksicht auf diejenigen genommen wird, die mehr Wiederholungen brauchen. Und aufgrund meiner beruflichen Situation kann ich die frühabendlichen Termine zu oft nicht wahrnehmen.

Vorteile: Kostengünstig, relativ langsames Lerntempo

Nachteile: Sehr verschulter Unterricht, relativ langsames Lerntempo. Wer unregelmäßige Arbeitszeiten hat, versäumt womöglich zu viele Termine.

Lehrmittel: An der VHS in Hamburg wird auf das sehr teure Lehrbuch (und kompliziert zu bestellende) Lehrbuch „På vei“ zurückgegriffen, das finde ich persönlich fast schon unverschämt, weil es wirklich günstigere Lösungen gibt. Wer sich das Textbuch, das Arbeitsbuch, das Vokabelheft und die Schüler-CD anschafft, zahlt dafür bald genauso viel wie für einen ganzen Kurs. Das lohnt sich also nur, wenn Du wirklich länger dabei bleiben möchtest. Zum autodidaktischen Lernen ist das Lehrbuch zudem leider völlig ungeeignet. 🙁

Kosten: Ein Kurs mit 10 bis 14 wöchentlichen Termine kostet an der VHS in Hamburg zurzeit 103,00 bis 139,00 Euro, Wochenendkurse kosten . (Achtung: Dazu kommen in Hamburg die Lehrmaterialien in Höhe von rund 100,00 Euro. Im Anfängerkurs werden gegen eine kleine Pauschale auch Kopien daraus zur Verfügung gestellt, Du musst Dir die Bücher also nicht gleich zu Beginn kaufen.)

Mein Tipp: Ausprobieren! Es hängt ja vieles vom Lehrer bzw. der Lehrerin ab und von der Gruppe. Vielleicht ist es für den Einstieg in die Sprache für Dich genau das Richtige. Ich bereue meine drei VHS-Kurse nicht!

3. Einzelunterricht

Es war für mich eine Offenbarung, die erste Einzelunterrichtsstunde! 90 Minuten lang wirst Du gefordert und gefördert. Eine gute Sprachlehrerin stellt sich sehr individuell auf Dich ein, auf Deinen Kenntnisstand, Deine Interessen (Lieblingsthemen) und Deine persönliche Art und Weise zu kommunizieren. Der glückliche Zufall wollte es, dass Yvonne Moutoux – die Anbieterin meiner ausgewählten Sprachreise nach Norwegen (siehe 4.) – in meiner Stadt Hamburg lebt und ich somit bei ihr im Vorwege zwei Einzelstunden nehmen konnte.

Norwegisch lernen - ein gutes und günstiges Lehrbuch dafürVorteile: Intensiver und damit lehrreicher geht es nicht!

Nachteile: Für manche zu teuer.

Lehrmittel: Yvonne Moutoux richtet sich ganz nach Dir und was Du bereits besitzt. Wenn Du noch kein Lehrbuch hast, setzt sie gern ein sehr gutes und gleichzeitig verhältnismäßig günstiges Lehrbuch ein, das ich persönlich auch fürs autodidaktische Selbstlernen für geeignet halte: „God tur“ für 16,00 Euro.

Kosten: Variiert von Anbieter zu Anbieter – hier als Richtwert: 90 Minuten Einzelunterricht kosten bei Yvonne Moutoux 65,00 Euro. (Sie bietet übrigens auch Termine in Kleingruppen an.)

Mein Tipp: Gönn es Dir wenigstens ein Mal, um den Unterschied beim Norwegisch lernen zu erleben! Aus meiner Sicht ist es verdammt gut investiertes Geld, wenn Du wirklich voran kommen möchtest.

4. Sprachreise

Vor wenigen Tagen bin ich aus Oslo von meiner ersten Sprachreise zurück gekehrt und bin immer noch ganz geflasht davon. Fünf Tage Norwegisch lernen mitten im Leben! Zu zehnt waren wir mit unserer Lehrerin Yvonne Moutoux non stop draußen unterwegs (der norwegische Sommer war uns wohlgesonnen!) und lernten „wie die Kinder“: Yvonne macht aus allem, was uns vor die Füße lief, höchst anschaulichen Sprachunterricht – so prägen sich Vokabeln viel leichter ein , zum Beispiel das norwegische Wort für Zebrastreifen, über den wir in dem Moment gingen. Auf norwegisch ist das „et gangfelt“. Irgendwie logisch, oder? 😉 Durch die viele Bewegung an der frischen Luft wurden wir nicht so schnell müde im Kopf, und es war viel leichter, sich zu konzentrieren, als Du jetzt vielleicht denkst.

Vorteile: Großer Lerneffekt in kurzer Zeit. Auch nach Unterrichtsschluss bist Du umgeben von der Sprache und hast gleich die Möglichkeit, Dich im Laden oder im Café mal auf Norwegisch auszuprobieren. Bei Yvonne Moutoux (und nach meinen Recherchen NUR bei ihr!) kannst Du die Sprachreise sogar als Bildungsurlaub einreichen, wenn das in Deinem Bundesland möglich ist.

Nachteile: Für manche vielleicht zu teuer oder aufgrund terminlicher Schwierigkeiten nicht machbar. Mehr Nachteile fallen mir wirklich nicht ein. 🙂

Norwegisch lernen mit allen Mitteln
Selbst Klopapier wird zum Lehrmaterial.

Lehrmittel: Norwegisch lernen mit allem, was die Umgebung uns bietet! Wir hatten alle permanent einen Block und einen Stift in der Hand, um Notizen zu machen. Das klappte wirklich gut. Zusätzlich hatte Yvonne den einen oder anderen Zettel verteilt, auf den wir dann, wenn wir irgendwo mal gesessen haben, drauf geschaut haben.

Kosten: Als Beispiel sei hier der Preis meiner fünftägigen Sprachreise nach Oslo bei Yvonne Moutoux (norwegischkurse.de) genannt: 490,- Euro pro Person (bei einer Anmeldung von 6 Personen, 5 Tage Unterricht mit 6 Schulstunden am Tag). Wer die Sprachreise als Bildungsurlaub anerkannt bekommen möchte, bezahlt zusätzliche 100,- Euro. Zu den eigentlichen Kosten für den Kurs kommen natürlich noch die Reisekosten dazu.

Mein Tipp: Meine absolute Empfehlung für Euch lautet: norwegischkurse.com. Yvonne Moutoux ist Muttersprachlerin und versteht es wirklich, einen äußerst lebendigen und kurzweiligen Unterricht zu gestalten. Ihre Sprachreisen nach Oslo, Hovden (im März sogar in Kombination mit Wintersport!) oder Balestrand sind als Bildungsurlaub anerkannt. Wichtig zu wissen: Sie setzt erste Grundkenntnisse voraus (die in etwas 2 VHS-Kursen entsprechen).

Norwegisch lernen auf einer Sprachreise mit Yvonne Moutoux

Norwegisch lernen – mein persönliches Fazit

Ich bereue nichts. 🙂 Aber ich weiß jetzt, was für mich das Richtige beim Norwegisch lernen ist, um wirklich zügig und mit Spaß voranzukommen: Ich kombiniere ab jetzt Phasen des autodidaktischen Lernens mit Fixpunkten in größeren Abständen in Form von einmal im Monat eine Stunde Einzelunterricht und spätestens in einem halben Jahr die nächste Sprachreise. Dafür bin ich auch bereit, an anderer Stelle zu sparen.

Autor

Hei hei, ich bin Dörte aus Hamburg. Seit ich als Jugendliche "Flucht in den Norden" von Klaus Mann gelesen habe, zieht es mich til Norge - jetzt endlich, mit Mitte 40, verbringe immer mehr Zeit im Jahr dort, am liebsten nördlich vom Polarkreis. Als Minimalistin reise ich gern mit leichtem Gepäck, am liebsten nach dem Prinzip des Slow Travel - und in 2016 möchte ich endlich das Wwoofing ausprobieren. Und Du? Ich freue mich auf einen Kommentar von Dir! Ha det bra!

6 Kommentare

  1. Hallo Dörte,

    bin durch Zufall zu diesem Artikel von dir gekommen.

    Ich bin vor einigen Jahren genau wie du mit Yvonne durch Oslo gelaufen und kann bestätigen, dass der Unterricht sehr lebendig und hilfreich war.

    Es wurden Verkehrsschilder auf Norwegisch gelernt, wir sind zum Holmenkollen gewandert und haben auf dem Frognerseteret Norwegens besten Apfelkuchen gegessen.
    Die Besuche in der Universitätsbibliothek und eine Führung durch das alte Oslo und dem Fluss Akerselva waren auch spitze.

    Abends gab es dann Public-Viewing (Fußball WM) auf dem Rathausplatz.

    So macht Norwegischunterricht Spaß! Ich hatte damals sogar das Glück, dass mein Arbeitgeber mich finanziell unterstützt hat.

    Viele Grüße
    Sven

    PS:
    Wenn du ein kostenloses Exemplar meines Buches „Grundwortschatz Deutsch – Norwegisch – Englisch“ haben möchtest, gibt mit Bescheid. Gerne sende ich dir eins zu.

    Gleiches gilt auch für meine Lernkartensets (Lernkarten24.de).

    1. Hei hei Sven,

      besser spät als nie, gilt auch für meine Antwort, oder? 😉 Ich habe jetzt endlich die Zeit, mit meinem Blog voll durchzustarten und auch viel mehr Zeit in Norwegen zu verbringen.

      Danke für Dein Angebot, Dein Lernkartenset zu nutzen! Ich komme darauf zurück, wenn ich mich ein bisschen sortiert habe, denn im Moment frage ich mich, was der beste Weg zum Bergenstest im Januar 2017 ist…

      Wie weit bist Du denn mit Deinem Norwegisch gekommen? Und wie hälst Du die Sprache lebendig, wenn Du gerade keinen Kurs machst?

      Ha det bra!
      Dörte

  2. Hei,

    deine Infos hier sind super. Insbesondere deine Ausführungen zur VHS bestätigen den Eindruck meiner bisherigen Recherchen. Bin nur einmal vor mehr als 20 Jahren in Norwegen gewesen, aber das Land hat mich seitdem innerlich nie wieder losgelassen. Leider viel um die Ohren gehabt und Norwegen aus dem Fokus verloren. Jetzt bin ich 43 und die Entscheidung ist wohl gefallen, norwegisch zu lernen. Dein Blog ist daran mit Schuld.

    Takk
    Martin

    1. Hei Hei Martin,

      ich ahne, wie es Dir geht, denn auch ich hatte eine rund 20-jährige Pause, was meine Norwegen-Reisen anging – bevor ich wieder nach Norden reiste und seitdem nicht wieder damit aufhörte… 🙂

      Im Herbst probiere ich in Sachen Norwegisch lernen etwas Neues aus: Ich belege zwei Kurse für Fortgeschrittene an der norwegischen Volkshochschule in Oslo, unter anderem diesen hier: https://www.folkeuniversitetet.no/Spraakkurs/Norskkurs-mellomnivaa/Norskkurs-hoeyere-mellomnivaa-Forberedelse-til-Norskproeven

      Ich bin gespannt, wie tief ich mit dieser selbst organisierten Sprachreise in die Sprache und in das Land eintauchen werde. Ich halte Dich auf dem Laufenden – und bin auch sehr gespant, wohin es Dich in Norwegen als Nächstes zieht!

      Ha de bra!
      Dörte

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